Ihr Weg durch das Labyrinth der Kilos

Wenn sich Wege nach 24 Jahren wieder kreuzen

 

Es gibt Begegnungen im Leben, die uns prägen – und manchmal schreibt das Leben Jahre später ein neues Kapitel, mit dem niemand gerechnet hätte.

Heute möchte ich euch, eine für mich sehr berührende Geschichte, einer ganz besonderen Freundin erzählen. Sie zeigt, wie eng Gesundheit, Ernährung, Bewegung und persönliche Entwicklung miteinander verbunden sind – und dass es manchmal unglaubliche Zufälle braucht, damit sich zwei Lebenswege wieder kreuzen.

Ab hier erzählt sie ihre Geschichte selbst:

„Corinne Sonko und ich haben eine ganz besonders schöne Geschichte. Wir haben uns kennengelernt, als ich 19 und Corinne 17 Jahre alt waren, während unserer gemeinsamen Arbeit in einem Altersheim in Bern. In dieser Zeit entstand eine tiefe Freundschaft, und wir haben viel Zeit miteinander verbracht.

Wie es das Leben manchmal so will, verloren wir uns aus verschiedenen Gründen aus den Augen. In den Jahren ohne Kontakt veränderte sich bei mir viel – auch körperlich, durch Phasen von Gewichtszunahme und Gewichtsabnahme. Corinne ging mir jedoch nie ganz aus dem Kopf, und mehrmals im Jahr suchte ich im Internet nach Informationen über sie.

Vor einigen Monaten war es dann endlich so weit: Ich stieß auf ihre Homepage und entdeckte, dass sie heute als Ernährungsberaterin arbeitet. Das Timing hätte nicht perfekter sein können. Ich steckte mitten in der Vorbereitung auf mein großes sportliches Ziel – den Jungfrau-Marathon 2026 – und war ohnehin auf der Suche nach professioneller Unterstützung im Bereich Ernährung.

In diesem Moment schloss sich für uns ein Kreis. Nach 24 Jahren eine Freundin wiederzufinden, war ein unglaubliches Geschenk. Und das Schönste daran: Trotz der vielen vergangenen Jahre fühlte es sich vom ersten Augenblick an so an, als wäre kein einziger Tag vergangen.“

Mein Weg durch das Labyrinth der Kilos – warum Aufgeben nie die Lösung war (und wie ich den Weg zum Jungfrau-Marathon fand)

 

Liebe:r Leser:in Wenn du diesen Text angeklickt hast, steckst du vielleicht gerade selbst in einer Phase, in der du deine Ernährungsgewohnheiten ändern möchtest. Vielleicht fühlst du dich frustriert, unverstanden oder hast das Gefühl, gegen deinen eigenen Körper zu kämpfen.

Ich möchte dir heute meine Geschichte erzählen. Nicht, um zu zeigen, wie „perfekt“ ich das geschafft habe – denn das habe ich nicht. Sondern um dir zu zeigen: Du bist nicht allein, deine Gefühle sind absolut valide, und es gibt immer einen Weg zurück zu dir selbst.

Der Kampf gegen Windmühlen: Wenn die Medizin wegschaut Mein Weg mit dem Gewicht begann in der Pubertät und beim Einstieg in den Berufsalltag.

Unregelmässige Arbeitszeiten in der Pflege und eine beginnende, unerkannte Schilddrüsenunterfunktion liessen die Kilos schnell nach oben schnellen.

Später kam eine Insulinresistenz dazu. Vielleicht kennst du das: Du gehst zur Hausärztin oder zum Hausarzt und suchst Hilfe. Doch statt einer gründlichen Abklärung hörst du nur die Standardfloskeln: „Essen Sie einfach weniger und bewegen Sie sich mehr.“

Dass ich mich im anstrengenden Pflegealltag ohnehin schon ununterbrochen bewegte und sportlich aktiv war, wurde schlichtweg ignoriert. Ich wurde stigmatisiert, diskriminiert und nicht ernst genommen. Mir wurde nicht geglaubt.

Was damals nicht behandelt wurde, war ich als Mensch.

Das Resultat? Ein tiefes Misstrauen gegenüber der Ärzteschaft und die schmerzhafte Erkenntnis, wie erschreckend wenig medizinisches Fachpersonal oft in Ernährungsfragen ausgebildet ist.

Trotz Bewegung nahm ich weiter zu, während das Sporttreiben durch das Gewicht immer schwerer wurde. Aus der Mischung aus Stigmatisierung und dem nagenden Gefühl des eigenen Versagens zog ich irgendwann den Stecker. Ich dachte: „Es spielt ja eh keine Rolle, mir glaubt ja doch niemand.“ Also fing ich an, wirklich schlecht zu essen. Zu Höchstzeiten verputzte ich mühelos einen ganzen Murtener Nidelkuchen alleine – ohne dass mir auch nur schlecht wurde.

Wenn schon alles egal war, wollte ich wenigstens das Leben geniessen.

Ein erster Lichtblick und die Falle der alten Muster Im Sommer 2008 wendete sich das Blatt ein erstes Mal. Nach einem Umzug fiel mein:e neue:r Hausärzt:in beim Blick auf meine Werte aus allen Wolken. Die Symptome der Schilddrüsenunterfunktion waren so offensichtlich, dass das Labor nur noch für die Dosierung gebraucht wurde.

Mit den richtigen Medikamenten passierte das kleine Wunder: 20 Kilo schmolzen weg – von 106 auf 86 Kilo.

Ich fühlte mich grossartig, machte wieder Sport, und psychisch ging es mir blendend.

Doch die tiefen Wurzeln des Problems waren noch da. Meine Insulinresistenz wurde damals nicht getestet, und niemand schickte mich zu einer Ernährungsberatung, um mein Essverhalten im Kern zu hinterfragen und neue Routinen aufzubauen.

Als die Schilddrüsenwerte wieder entgleisten, ich mitten in der intensiven HF-Pflegeausbildung kaum mehr Zeit für Sport fand und meine alten Essmuster unverändert blieben, schoss das Gewicht wieder nach oben. Wenn ich heute im Rahmen dieses Blogs darüber nachdenke, spüre ich wieder, wie traurig und hoffnungslos mich dieses vermeintliche „erneute Versagen“ damals gemacht hat.

Als Schutzmauer schaltete ich in eine extreme „Ist-mir-egal-Haltung“.

Das Resultat: Innerhalb von fünf Jahren kletterte die Waage auf mein absolutes Höchstgewicht von 148 Kilo.

Den Wendepunkt verdanke ich einem grossen Schrecken und einer Portion Trotz. Wegen meiner instabilen Schilddrüse musste ich zur Abklärung ins Inselspital. Da ich an einer Autoimmunerkrankung leide, bei der mein Körper das eigene Schilddrüsengewebe bekämpft, stand der Verdacht auf Tumore im Raum. Während der Biopsie legte mir der behandelnde Arzt das Adipositas-Programm der Insel ans Herz. Ich war massiv wütend. Ich meldete mich dort an – aber nur aus einem einzigen Grund: Ich wollte ihnen schwarz auf weiss beweisen, dass ich nichts falsch mache und einfach nicht abnehmen kann.

Heute muss ich darüber schmunzeln. Denn wäre ich damals nicht aus purem Trotz angetreten, stünde ich heute wohl kaum kurz vor dem Jungfraumarathon.

Der Weg in ein neues Leben Im Programm wurde endlich die Insulinresistenz diagnostiziert.

Ich verstand, dass ich anders essen musste, wenn ich keinen Diabetes riskieren wollte. Das einjährige Programm war ein Segen: Es kombinierte Psychotherapie, Physiotherapie, Ernährungsberatung und Körpertherapie.

Ich verlor 58 Kilo. Ich blühte auf und konnte wieder aktiv am Leben teilnehmen.

Natürlich verlief auch danach nicht alles perfekt. Das Leben passierte: Eine neue Beziehung, die Geburt meines Kindes – der Fokus verschob sich von mir weg hin zur Familie. Gesundes Essen wurde im Alltagstrubel schwieriger, und ich nahm wieder 16 Kilo zu.

Doch dieses Mal blieb ich dran. Als meine Frauenärztin aufgrund eines zu hohen Homa-Indexes Metformin verschrieb, besann ich mich wieder aufs Essen. Ich merkte, wie schlecht es mir körperlich ging. Aus psychischen Gründen fing ich wieder mit Sport an – und verlor von 2021 bis heute das Gewicht von ca. 100 Kilo hinunter auf 70 Kilo.

Was ich dir für deinen Weg mitgeben möchte: Vor einiger Zeit erlebte ich durch die Kombination aus einem Todesfall im Freundeskreis, einer schweren Familiensituation und beruflicher Belastung ein Burnout. Es war eine harte Zeit, aber sie brachte mir eine lebensverändernde Erkenntnis: Mein wichtigster Skill im Leben ist Sport und Bewegung. Mit der Unterstützung meines therapeutischen Teams habe ich gelernt, mir selbst endlich die Fürsorge zukommen zu lassen, die ich verdiene: Gutes Essen, das meinem Körper guttut, statt ihn zu belasten. Zeit, um mich achtsam mit meiner Gesundheit auseinanderzusetzen. Grenzen, die ich klar erkenne und mutig bewahre. Ausgleich durch die Bewegung, die mein Körper braucht.

Heute arbeite ich in der psychiatrischen Spitex. Ein Traumjob für mich, weil ich zwischen den Einsätzen mit dem Velo unterwegs sein kann – oft bis zu 50 Kilometer pro Arbeitstag. Das hält meinen Kopf und meinen Körper gesund.

Wenn du deine Ernährung und dein Leben verändern willst, merk dir eins: Es ist kein gerader Weg. Es wird Rückschläge geben, es wird Momente des Zweifels geben. Aber lass dir niemals einreden, du seist ein:e „Versager:in“, wenn dein Stoffwechsel oder das Leben dir Steine in den Weg legen.

Du hast es verdient, gut zu dir selbst zu sein.

Such dir die richtige Unterstützung, vertrau deinem Bauchgefühl und fang an – Schritt für Schritt.

Wie es dazu kam, dass ich heute für den Jungfraumarathon trainiere, erfährst du im nächsten Beitrag: „Wie wir uns wiederfanden und der Jungfraumarathon als Ziel“.

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